In jahrelanger Arbeit mit wahrnehmungsgestörten Patienten entwickelte Félicie Affolter (* 1926) als Schülerin des Entwicklungspsychologen Jean Piaget ihr therapeutisches Konzept.

Handlungsabläufe, die von den betroffenen Patienten nicht leistbar sind, werden gemeinsam mit dem Therapeuten ausgeführt. Alltägliche Bewegungen werden so neu erfahren, begriffen, spürbar, vertrauter; selbstständiges Handeln wird möglich, ein Lernprozess in Gang gesetzt. Durch diese geführte Interaktionserfahrung werden motorische, kognitive und emotionale Leistungen gefördert.

Man nennt das Affolter-Konzept daher auch „Geführte Interaktionstherapie“. Sie ermöglicht den Patienten, praktisch und alltagsbezogen zu lernen. Bei gestörter Wahrnehmung kann durch gezieltes Führen von Händen und Körper eine Verbesserung der gespürten Informationssuche gefördert werden. „Führen“ bedeutet, dass eine andere Person, z.B. der Therapeut, Angehörige, Pflegepersonal, etc. mit dem Körper des Patienten Handlungen so ausführt, dass gemeinsam (wieder) Beziehungen zwischen Patient und Umwelt hergestellt werden.